Kleine Tennischronik zum 85-jährigen Jubiläum des Tennisklub Grün-Gold Köln e.V. 1927

Als sich am 25. Okt. 1927 vierunddreißig Mitglieder einer Ehrenfelder Tennisriege zur Gründung unseres Tennisklubs zusammenfanden, war der Tennissport in Deutschland schon fast 50 Jahre alt, d.h. die Gründung erster Tennisklubs geht in die 90er-Jahre (ca. 1880) des 19. Jahrhunderts zurück.

Bereits 1892 fanden in Hamburg Uhlenhorst die 1. Internationalen Tennismeisterschaften (später: German Open) statt und man kann sich heute kaum vorstellen, dass dieses Turnier für einige Wochen unterbrochen werden musste, weil die Cholera in Hamburg wütete.

Tennis zur 20.-Jahrhundertwende war, man glaubt es kaum, ein ungemein beliebter und populärer Sport, wenn auch, wie viele Sportarten in der damaligen Zeit, noch kein Breiten- oder Volkssport.

Ein gewisser Carl August von der Meden wurde 1902 erster Präsident des Deutschen Lawn Tennis Bundes, und wir werden in jedem Jahr auf`s Neue an ihn erinnert, wenn die Medenspielsaison beginnt. Zu dieser Zeit hatte der DLTB 2500 Mitglieder, die sich in 22 Klubs wieder fanden.

Erstaunt kann man aus damaliger Zeit erfahren, dass es auch schon Hartplätze gab, und ein mehrfacher Deutscher Tennismeister namens Otto Froitzheim im Jahr 1912 Weltmeister auf Hartplätzen wurde.

Im letzten Friedensjahr vor dem Ersten Weltkrieg, nämlich 1913, besiegte Deutschland im Davis Cup Frankreich mit 4:1, was im folgenden Jahr aber nicht mehr gelang: Deutschland verlor in Pittsburgh gg. Australien desaströs mit 0:5 und 2 Deutsche Spieler des Teams, nämlich Oscar Kreuzer und schon erwähnter Otto Froitzheim wurden auf ihrer Heimreise in Gibraltar festgenommen und bis Kriegsende 1918 in England interniert, ja, es war Krieg und der kannte eben keine Grenzen !

In den Jahren danach wurde Deutschland als Kriegsverursacher die Teilnahme am Davis Cup bis 1927 verwehrt.

Just in diesem Jahr sollte die Gründung unseres Klubs stattfinden:
Die Tennisanlagen im Blücherpark mit je 4 Plätzen in der Senke des Parks und auf unserem heutigen Grundstück gab es unter städtischer Regie bereits seit 1919, erstaunlicherweise also 2 Plätze mehr als heute.

Ein gewisser Herr Metze, der Gründungsmitglied war und auch dem ersten Vorstand dieses Klubs angehörte, würde nicht schlecht staunen, wenn er noch erleben könnte, dass ich heute die Ehre habe, diese kleine Ansprache zu halten, denn er kannte mich und wohnte bis in die 70er-Jahre in dem gleichen Haus wie meine Familie, nämlich Nußbaumerstr. 1 Für uns Kinder hatte er immer ein paar nette Worte oder einen Groschen übrig.

Eine Anmerkung zu ihm noch an anderer Stelle !

Zurück zur Gründung, bei der die Vereinsfarben ins Spiel kamen, hatte man doch geglaubt mit Grün und Gold (statt Blau/Gold) die Farben des Ehrenfelder Wappens ausgesucht zu haben. Niemand weiß, wann das jemandem aufgefallen ist, aber es ist dann einfach dabei geblieben.
Glücklicherweise war zu dieser Zeit die Farbe braun noch nicht so populär, was allerdings 6 Jahre später dann der Fall war.

Dass der Blücherpark bzw. der TKGG heutzutage nicht auf Ehrenfelder sondern Nippesser Gebiet liegt, genauer gesagt, im Ortsteil Bilderstöckchen, ist auf jeden Fall erwähnenswert, schon wegen der Farben und so…

1930 zählte der TKGG 77 Mitglieder, und der Vereinsbeitrag betrug 45 Mark.
Der Anteil an Jugendlichen betrug  gut 35%, was auch heute noch exakt der Fall ist. Grün-Gold: ….auch eine fortgesetzte und erfolgreiche Familiengeschichte!!

Der Tennis schlechthin erlebte seinen ersten Boom in den 30er-Jahren des vorigen Jh.; die Anzahl der Klubs hatte sich zw. 1925 und 1932 glatt auf 1200 vervierfacht mit einer Mitgliederzahl von fast exakt 100.000.

Die 40er-Jahre des Deutschen Tennis waren geprägt von Persönlichkeiten wie Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel, die 1931 im Endspiel von Wimbledon standen oder Gottfried Freiherr von Cramm, der 1934 und 1936 die French Open gewann. Cramm wurde übrigens 1955 im hohen Tennisalter von 46 Jahren noch einmal Deutscher Meister.

Der 2. Weltkrieg hatte zwischenzeitlich eine Spur der Verwüstung hinterlassen, und Deutsche Meisterschaften fanden erst 1948 wieder am Hamburger Rothenbaum statt.

Zu dieser Zeit träumten die meisten Tennisvereine in den Deutschen Städten noch von Spielbetrieb und erst 1955 konnte der TKGG seinen eigenen Spielbetrieb an der Müngersdorferstr. Wieder aufnehmen.

Die Plätze in der Senke des Parks waren einem Fußballplatz gewichen, aber eine Erweiterung der Spielfläche „oben“ auf 6 Plätze schaffte genügend Raum für den weißen Sport.
Der Bau eines schmucken Klubhauses schließlich wurde 1956 angegangen, und der Klub hatte Kosten von immerhin DM 89.000 zu stemmen.

Just zu dieser Zeit schaute ein kleiner Junge dem regen Treiben auf den mit rotem Sand gefüllten Plätzen, deren Spielfelder mit schneeweißen Linien abgegrenzt waren, aufgeregt interessiert und manchmal für Stunden zu.

Herr Metze, der Nachbar aus dem Haus Nußbaumerstr. 1, schlug kunstvoll den Ball auf. Kunstvoll schon deshalb, weil der Krieg ihm einen Arm abverlangt hatte, und er den Schläger unter dem verbliebenen Stummel erstmal einklemmte, mit dem intakten Arm den Ball hochwarf, um in gleichen Augenblick den Schläger aus der Achselhöhle zu nehmen und dann aufzuschlagen.

Die Bälle wurden in dieser Zeit noch von sog. Balljungen eingesammelt und an die Spieler verteilt, und ein Balljunge erhielt, wenn ich mich recht erinnere, so um die 30-50 Pfennige / Stunde.

Wenn der kleine Junge dann nach Hause kam, hatte er nicht selten ein Muster in seinem Gesicht abgebildet, über das sich seine Mutter zunächst wunderte, aber des Rätsels Lösung ob der Herkunft dieses Musters schnell gelöst war: Es waren die Konturen des Maschendrahtzaunes vom Tennisplatz durch dessen Öffnungen der Junge seine Nase gesteckt hatte.

Seine Frage an die Mutter, ob er dort nicht auch mal spielen dürfte, wurde verneint mit der Begründung, dass sich diesen Sport nur wohlhabende oder reiche Leute leisten könnten, nicht aber Abkömmlinge eines städtischen Angestellten im Range eines Rechtsamt-Hauptsekretärs.

Es hat dann noch fast 40 Jahre gedauert, bis der Junge, der mittlerweile selbst Vater geworden war, so wohlhabend geworden war, um seinen Sohn und sich im TKGG anzumelden.

In den 3 Jahrzehnten davor hatte der Tennisboom eine unglaubliche Dynamik erfahren und mit der Bum-Bum-Becker Ära und der Steffi Graf Story ihren Höhepunkt erreicht:

Nicht weniger als 2,5 Mio. Mitglieder spielten Mitte der 90 Jahren in mehr als 11.000 Vereinen Tennis, heute sind es immer noch 1,5 Mio. in 9.500 Vereinen.

Tennismillionäre wurden quasi am Fliessband gezeugt, und man wird nachdenklich, wenn man erfährt, dass Tennisstars wie Wilhelm Bungert für seine Endspielteilnahme in Wimbledon 1967 einen Bekleidungsbon im Wert von DM 120.- erhielt und bei den German Open 1968 die Summe aller Preisgelder lediglich bei $ 17.500 lag.

Erfreut kann man heute feststellen, dass der TKGG sich über alle Jahre seines Bestehens extremen Strömungen und sich damit zwangsläufig entwickelnden Störungen entziehen konnte und ein Sport-Spaßverein mit dennoch vorzeigbaren Leistungen im Wettbewerbsvergleich geblieben ist.

Gigantomanie und Utopie werden, so hoffe ich auf Dauer, auch weiter Fremdworte in unserem sympathischen Klub bleiben.

So schließe ich dann mit dem Aufruf an alle Mitglieder, genau so, wie bisher in einem gemeinschaftlichen Sinn das Vereinsklima positiv zu bewahren.

 

Herr Prof. Plassmann, sie gestatten zum Schluss, dass ich eine Passage aus „Ihrer kleinen Einführung“, 50 Jahre TKGG übernehme und noch einmal wiederholen möchte:

„Unsere schnelllebige, hektische und von zahlreichen Veränderungen geprägte Zeit erfordert eine große Anpassungsfähigkeit gerade auch von Sportvereinen, insbesondere von Tennisvereinen.
Dass unserem Verein dieses bisher gelungen ist, verdanken wir den vielen nicht genannten Damen und Herren der bisherigen Vorstände, in Ausschüssen und anderen Funktionen, die in 85 Jahren seit Gründung des Klubs durch persönlichen engagierten Einsatz, mit viel Gespür für das Machbare die positive Entwicklung unseres Vereins bestimmt haben. Ihre Leistungen sind die Ausgangsbasis für alle diejenigen, die in den nächsten 85 Jahren an verantwortlicher Stelle in unserem Klub stehen werden.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch, liebe Mitglieder des TKGG und mir eine weitere angenehme Zukunft in unserem Klub.

Vielen Dank !!

Manfred Schumann
am 10.11.2012